Mittwoch, 1. November 2017

Hanoi

Mit dem Flieger ging es nun also nach Vietnam. Hanoi Oldtown ist ein wunderbar quirliger, lebendiger Stadtteil der mich ein bisschen an die Medinas in Marokko erinnert. Ähnliche Geschäfte haben sich oft in einer Straße angesiedelt und die sind dann nach ihnen benannt wie zum Beispiel Silberschmuckstraße, Bambuskorbgasse oder Heilmittelweg, so dass jede Ecke andere Geräusche, Gerüche, Formen und Farben bringt. Menschen wuseln auf Fahrrädern herum oder gleiten wie kleine Fischschwärme mit dem Moped durch durch die Gassen und Straßen.

Überall sind fliegende Händler, die vom Fahrrad aus Obst und Gemüse verkaufen oder in mobilen Küchen dampfende Suppen oder gegrillte Meeresfrüchte zubereiten. Das Leben findet auf der Straße statt, irgendwie ist alles ein bisschen archaisch und ich habe die Flut an Sinneseindrücken sehr genossen.

Die alte französische Kolonialarchitektur ist manchmal etwas runtergekommen, dann sieht es aus wie in Kuba was viel Charme hat, aber meist schön renoviert und sehr ansehnlich. Nach Yangon (England) und Hanoi (Frankreich) habe ich mich gefragt, wie wohl eine deutsche Kolonialstadt in Südostasien aussehen würde?

Antoine und Laetitia vom Inle-Treck haben mich durch die Gassen geführt, sie waren schon ein paar Tage da und kannten sich aus. Abends habe ich mich dann im von zwei Australiern geleiteten Backpacker Hostel sozialisiert, bei Beer Pong-Spielen mit Freibier, stündlichen free shots und auf den Tischen tanzenden Engländerinnen. Diese Travellerblase war mir dann irgendwann aber selbst zu doof, so dass ich nochmal ne Runde durch die mit Menschen, Bierständen und Lachgasballon-Verkäufern voll gepackten Straßen gedreht hab. Ich war verblüfft, aber das war im Prinzip das selbe in grün, kollektives Saufen und Feiern nur eben Vietnamesen. Hätte nicht gedacht, dass die Menschen hier so drauf sind, naja es war aber auch Wochenende und das Leben an sich auf die eine oder andere Art zu feiern ist ja anscheinend auch ein Grundbedürfnis aller Menschen auf diesem Planeten.

Ha Long Bucht / Cat Ba Island

Mit Bus und Fähre ging es zur letzten großen Station dieser Reise - in die bekannte Ha Long Bucht und auf anraten einiger Traveller auf die dort am Rande liegende und weniger touristische Insel Cat Ba.

Die weitläufige Bucht besteht aus einzigartigen Karstgesteinen, die spitzkeglig aus Landschaft und Meer ragen und von grüner Vegetation bedeckt sind. Es gibt in dieser zerklüfteten Gegend hunderte Höhlen und Grotten, die zu Fuß oder vom Wasser aus per Kajak erkundet werden können. Interessant sind auch die in einigen Lagunen liegenden Floating Villages, deren Einwohner von in Netzen wachsenden Fische leben. Außerdem gibt es viele schöne, abgelegene Strände in einsamen Buchten zu entdecken.

Mit einer Tagestour fuhr ich per Boot mit einer Gruppe anderer Traveller durch das Labyrinth dieser bizarren Wasserlandschaft, unterbrochen von Stops an kleinen Stränden in ansonsten unzugänglichen Buchten zum Planschen und Muscheln sammeln. 

Der Höhepunkt war eine Kajaktour. Wir paddelten durch kristallklare Lagunen, die von steilen grünen Felsen umschlossen waren und durch Grotten miteinander verbunden waren. Mal musste man beim durchfahren der Tunnel den Kopf einziehen, mal war die Decke mehrere Dutzend Meter hoch in den Berg reichend und von Fledermäusen bewohnt. Meine brasilianische Mitpaddlerin und ich manövrierten uns durch die Tunnelsysteme in die versteckten Lagunen und es machte super viel Spaß durch die einzigartige Natur zu schippern.

Am nächsten Tag habe ich einen Ausflug in den Nationalpark der Insel gemacht und bin durch den Dschungel bis auf einen wunderbaren Aussichtpunkt geklettert. Die Aussicht auf die grünen  Berge war majestätisch und ich fühlte mich erhaben und frei. Ich sah sogar eine springende Schlange, die einem Frosch hinterher jagte, verrückt! Außerdem waren noch zwei kleine Höhlen drin, in einer war im Vietnam Krieg ein Krankenhaus versteckt.

Den Nachmittag verbrachte ich am nahen Strand, wo ich ein paar Leute kennenlernte, die abends auf eine Halloween-Party an einem abseits liegenden Strand gehen wollten. Der Flyer war selbst gemalt und neben DJ und Lagerfeuer warb er mit Meeresleuchten. Wirklich?

Nach dem Abendessen machten wir uns also auf die Suche nach dem hidden Beach. Nachdem wir schon fast aufgegeben hatten den Strand zu finden kamen wir dann zwischen hoch aufragenden Felsen doch noch an und es war total schön! Es waren etwa 50 Leute da, ein großes Lagerfeuer und der Mond erleuchtete den Sand und die Menschen tanzten gelöst und glücklich an diesem besonderen Ort.

Und dann ging es ins Wasser. Der Mond war bereits untergegangen und das Wasser dunkel. Doch dann, ich konnte meinen Augen kaum trauen, sah ich das Plankton an meinen Beinen, meinem Bauch und meinen Armen schimmern! Wenn ich mit den Fingern schnippste sah es aus, als würde Zauberstaub aus ihnen kommen, wenn man Wasser über sich oder andere goss, sah als aus, als würden dutzende blauer Sternschnuppen den Körper hinunter rinnen. Ich glaube ich habe in meinem Leben nichts schöneres gesehen und hätte heulen können vor lauter Schönheit des Augenblicks und alle herum waren begeistert und ergriffen von diesem Schauspiel. Das war echt ein toller Abschied von der Insel und der Reise, denn über Hanoi und Bangkok geht's jetzt zurück nach Hause!

Freitag, 27. Oktober 2017

Koh Phayam

Halli Hallo! Die letzten Tage habe ich auf Koh Phayam verbracht, einer weniger bekannten, kleinen Insel.

Da die Saison erst im November richtig los geht waren dreiviertel aller Unterkünfte und Bars geschlossen. Als ich ankam hatte ich mir nen schönen Strand vorgestellt, aber überall lag noch der Müll, der in der Regenzeit angespült wurde und es sah aus wie Kraut und Rüben.

Die letzten Tage wurde überall aufgeräumt und der Müll verbrannt, auch ein, zwei Hippie Bars hatten dann irgendwann auf.

Ich hab witzigerweise ein Pärchen aus Kassel getroffen, die gute Bekannte von Philipp und Charly, meinen Nachbarn, sind. Ansonsten gab's da noch die Meißener die ich dank meiner vielen Auslandsaufenthalte in Sachsen auch verstehen konnte und n lustigen Polen.

Pünktlich zum Sundowner kamen dann alle zusammen und haben die wirklich schönen Sonnenuntergänge genossen. Ansonsten war es das übliche Beach Leben - bissi bodyboarden, bissi mit m Moped über die Insel cruisen, bissi lesen, bissi chillen, bissi essen, Tag rum.

So Mutti, jetzt mal bitte weg hören!

Hab irgendwie Handy und Mopedschlüssel am Lagerfeuer im Sand verloren und am nächsten Tag bei der komischen Besitzerin vom Nachbar Resort abholen können. Oder Besitzer. Naja so Ladyboy intersexuell halt irgendwie. Da war ich natürlich froh, dass ich meinen Kram wieder hatte, musste aber dann immer ihren lasziven Blicken ausweichen. Ach und Nacktbaden waren wir noch, das war aber mit dem Kasseler Pärchen natürlich nicht so spannend wie mit den Mädels am Ngapali Beach. Außer vielleicht für die Sachsen, die haben sich mächtig über das Spektakel gefreut.

Ich hab lange überlegt was ich die letzte Woche noch machen soll... tauchen... Kiten... Nix... und hab jetzt ein bisschen spontan nen Flug nach Hanoi gebucht, wo ich die Franzosen vom Treck wiedersehe, das Mädel hat übermorgen Geburtstag und die waren echt so nett, dass ich mich freue die wieder zu sehen!

Die nächste Nachricht kommt dann also aus Vietnam, bis dann ihr lieben!

Samstag, 21. Oktober 2017

Gestrandet

Die letzten vier Tage habe ich an Myanmars schönstem (erschlossenen) Strand Ngapali verbracht. Ein mehrere Kilometer langer feiner weißer Sandstrand erstreckt sich hier am Golf von Bengalen, gesäumt von Kokosnuss Palmen und in der Nebensaison fast menschenleer. Ab und zu kommt eine Obstverkäuferin und bringt Mangos oder Kokosnüsse. Die Resorts liegen versteckt zwischen den Palmen. Es ist ein kleines Paradies!

Myanmar hat wohl noch hunderte schönere Strände, aber mangels Infrastruktur kommen die meisten Standbesucher dann doch hierher, da es hier einen kleinen Flugplatz gibt. Nach zwei zehnstündigen Nachtbus Fahrten hab ich mir das Abenteuer eines burmesischen Inlandflugs (mit Propellermaschinen und nem gut gemeinten Sicherheitscheck) dann auch mal gegönnt.

Das Preisniveau für Unterkünfte ist eigentlich sehr hoch, weshalb viele junge Traveller nen Bogen um Ngapali machen. Es ist leider so ein bisschen chicci hier. Ich hatte richtiges Glück, denn Kathi und Vroni, die wir in Bangkok kennengelernt hatten und mir seitdem immer 2-3 Tage voraus waren, habe ich hier eingeholt und wir haben in einem einfachen Resort eines redseligen deutschen für unschlagbare 8 Euro pro Nacht die Ngapali Beach WG gegründet. Zu so nem WG Leben gehört natürlich auch den ganzen Tag (am Strand) rumhängen, Obst essen, chillen und bis spät in die Nacht Alkoholvorräte zu vernichten. Statt zu kochen haben wir uns dann aber lieber auf die Kochkünste von der Oma aus dem Sunset View Restaurant verlassen und übertrieben lecker und billig Fisch und Gemüse geschlemmt. Ein Traum!

Ja das war schon eine herrlich witzige und entspannte Zeit und der Abschied viel mir schwer, hab die zwei schnell in mein Herz geschlossen.

Nun bin ich auf Zwischenstopp in Bangkok bevor es weiter Richtung Andamanen See geht. Bangkok ist derzeit so halb außer Betrieb denn Bhumiphol wird kommende Woche eingeäschert - der König ist Tod, es lebe der König! Dafür hab ich zufällig noch ein nettes verstecktes Hippie-Rasta Guesthouse außerhalb des Backpacker-Molochs entdeckt. Jetzt geht es erstmal zum Nachtbus (once again!).

Montag, 16. Oktober 2017

Pagoda Valley Bagan

Das kulturelle Highlight und must-see einer Reise nach Myanmar ist die Savannen ähnliche Bagan-Ebene mit seinen sandigen Böden, den Akazien- und Niembäumen, den Palmen und vor allem den über 4000 Pagoden, die weit über die Landschaft verstreut sind.

Die Könige des ersten birmanischen Königreichs haben sich hier hier mit prachtvollen Tempeln und Stupas verewigt. Den Reiz dieser Landschaft machen aber die unzähligen kleinen Tempelchen aus, deren verzierte Zipfel aus den Baumkronen heraus ragen.

Besonders schön ist die Landschaft bei Sonnenauf- und untergang, wenn die Pagoden im orange-goldenen Licht der tiefstehenden Sonne erstrahlen oder im Gegenlicht silhouettenhaft hervortreten.

Mit einem E-Scooter (für 3€/Tag) fuhr ich also direkt nach meiner Ankunft um 5 Uhr morgens auf eine der großen Pagoden um mich mit Johnny und Gustav vom Inle Treck zu treffen und einen ersten, atemberaubenden Eindruck der ins Licht der aufgehenen Sonne getauchten Szenerie zu bekommen.

Untergekommen bin ich im Ostellobello, einem Backpacker Hostel und ein Highlight für sich - neben ordentlichen Zimmern bot es tolle Tagestouren, birmanische Zigarren for free, eine rooftop terrace, Abendprogramm und vor allem einen sozialen Treffpunkt für all die Traveller, die hier meist den längsten Teil ihrer Myanmar Reise verbringen. Ich habe dort alte Weggefährten getroffen und nette neue Leute kennengelernt.

Die Aufgabe der nächsten Tage bestand nun also darin, DEN sunrise/sunset spot zu finden. Dabei wandelte sich jeder Reisende zum Entdecker und ich erkundete unzählige 1000-jährige Tempel, fand geheime Aufgänge und Fledermaus bewohnte Gänge, blieb mal im sandigen Boden stecken oder wurde fast von umherziehenden Kuhherden überrannt. Ich meine ja, den besten Spot ever gefunden zu haben, aber da das einfach jeder behauptet, muss ich meine Meinung dazu diesbezüglich wohl relativieren... Wahrscheinlich ist einfach alles schön! :)

Das Klima ist deutlich wärmer und ich hatte endlich mal drei Tage komplett ohne Regen! Wow! Da es mittags manchmal sogar zu heiß und zu anstrengend war, um Indiana Jones zu spielen, habe ich an einem Tag eine Tagestour zum Mt. Popa gemacht, einem steilen Berg im Umland, auf dessen Spitze ein goldenes Heiligtum trohnt und der von sanften Mönchen und gierigen Makaken bewacht wird.

Alles in allem hat mich Bagan sehr beeindruckt und ich hoffe, dass diese einmalige Landschaft mit seinen sagenhaftenTempeln trotz des künftigem Touristenansturms noch eine Zeit erhalten bleibt.

Samstag, 14. Oktober 2017

Haus am See

Meine lieben, zunächst einmal muss ich sagen, dass ich euch allen guten Vibrations senden möchte! Das Land ist so toll und ich habe so eine gute Zeit und ich freue mich, dass der eine oder die andere daran teilhaben!

Der Inle See ist ein etwa 7 x 20 km langes, ganz flaches Gewässer. Nur in der Mitte ist offene Wasserfläche, die weiten Uferbereiche sind von Wasserlilien und schwimmenden Gärten überwuchert. Die Bauern bauen hier Gemüse wie Tomaten und Kürbisse direkt auf dem Wasser an, die auf Bambus-Konstruktionen gedeihen und mit Booten geerntet werden oder sie fischen waghalsig von ihren Langbooten aus. Sie wohnen im Wasser auf Stelzenhäusern, die zum Teil über Holzbrücken verbunden sind. Statt Straßen und Autos gibt es Kanäle und Kanus. Hier wird Wäsche gewaschen, gekocht und auch die Post kommt per Boot. Sogar die Tempel sind auf dem Wasser gebaut und die Mönche fahren Boot.

Ich habe eine schöne, dreistündige Bootstour gemacht und mir alles angeschaut. Während es an den Berghängen ringsherum regnete war auf dem See bestes Bootsfahrwetter. Herrlicher Ausflug! Zurück in Nyangshwe habe ich mir mit dem französischen Pärchen vom Treck eine Aromamassage (12€/h) gegönnt, während es draußen anfing wie verrückt zu schütten. Anschließend gab es frischen Fisch aus dem See zum Mittag. Am Abend haben wir dann noch eine kleine Wein Verköstigung auf einem Weingut am Berghang gemacht, bevor es per Nachtbus weiter zum Bagan ging. So langsam fängt alles an sich zu entschleunigen.

Noch eine Sache möchte ich loswerden: bei den vielen abendlichen Gesprächen mit den anderen Europäern und Asiaten muss ich feststellen, dass es uns in Deutschland in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens doch eigentlich ganz schön gut geht, auch wenn wir oft darüber meckern. Seien es Persönlichkeitsrechte, Mietrecht, Kinderbetreuung, Arbeitsrecht und vieles mehr. Und die Deutschen sind leider because of language lazyness mit schlechtem Englisch gesegnet, that's really a pitty!